23.07.2026

Whole-life-cycle benchmarks for domestic and non-domestic buildings: A method for definition and communication applied to the German building stock

Die Lebenszyklus-Emissionen eines Gebäudes zu berechnen, ist ein wichtiger erster Schritt. Doch was bedeuten die Zahlen in der Praxis? Ist die Ökobilanz eines Gebäudes im Vergleich zu anderen eher gut oder schlecht? Dieser Frage gehen wir im Projekt LezBAU nach, indem wir berechnete Ökobilanz-Ergebnisse in eine intuitive Benchmark-Skala einordnen.

Bei der Entwicklung dieser Skala mussten zuerst grundlegende methodische Fragen geklärt werden:
- Wie lassen sich Ziel-, Durchschnitts- und Grenzwerte für Lebenszyklus-Emissionen ermitteln?
- Inwiefern ermöglicht der aktuelle Stand der Forschung und Datenlage die Definition solcher Werte für den deutschen Kontext?
- Wie differenziert müssen diese Benchmarks sein? Reicht z.B. eine einfache Unterscheidung zwischen Wohn- und Nichtwohngebäuden aus?

Das Institut Wohnen und Umwelt hat diese Fragestellungen intensiv bearbeitet und die Ergebnisse kürzlich auf der wissenschaftlichen Konferenz „ECEEE Summer Study“ präsentiert.

Der entwickelte Ansatz basiert auf der Norm ISO 21678 und zeigt einen systematischen Weg auf, um eine Bewertungsskala mit den Klassen A bis G anhand von Ziel-, Durchschnitts- und Grenzwerten abzuleiten. Um der Vielfalt des Gebäudebestands gerecht zu werden, unterscheidet das Modell zwischen 13 verschiedenen Gebäudetypen, vom Einfamilienhaus bis hin zur Schule. So werden die teils großen baulichen und energetischen Unterschiede berücksichtigt und die Vergleichbarkeit für die Anwenden deutlich verbessert.
Darüber hinaus wurde ein Kommunikationskonzept entwickelt, das die Bewertung von Lebenszyklus-Emissionen auch für ein breites Publikum intuitiv greifbar macht. Die entwickelten Benchmarks orientieren sich optisch an den bekannten, farbigen Skalen des klassischen Energieausweises in Deutschland (Klassen A bis G). Der entscheidende Unterschied: Die neue Skala bildet die gesamten Lebenszyklus-Emissionen ab, inklusive einer transparenten Unterteilung in betriebsbedingte und „graue“ Emissionen sowie weitere lebenszyklusrelevante Merkmale.

Auch wenn die Benchmark-Werte in Zukunft noch weiter validiert werden müssen und bei der Datenlage weiterhin Forschungspotenzial besteht, liefert diese Studie schon jetzt einen wichtigen Beitrag, unter anderem für die Ermittlung künftiger Anforderungswerte im Rahmen der novellierten EU-Gebäuderichtlinie (EPBD).

Der vollständige Konferenz-Beitrag ist frei verfügbar und kann hier nachgelesen werden: eceeeproceedings.org/articles/10.66506/essp.7-012-26

Abstract:
Benchmarking whole-life-cycle impacts is critical for aligning building design with sustainability targets. Current standards and studies recommend the definition of target-, average-, and limit-values, implemented through various methods and data sources. However, although several benchmarks already exist, a systematic process for their derivation is lacking. This paper adopts the method of the ISO 21678 to provide a clear roadmap for defining LCA benchmarks based on transparent calculations and data sources for 13 different domestic and non-domestic building usages. The methodology is designed to create a unified evaluation framework where a single benchmark scale is applicable to both new constructions and refurbishment projects, facilitating direct comparison. It combines existing top-down climate targets with bottom-up survey data and statistical sources to define key benchmark values. Further, it integrates an intuitive communication format, developed during an interdisciplinary and participative process with practitioners, to enhance usability and raise awareness for a large audience. The benchmark methodology is demonstrated through a case study for the German building stock. Results show that this method enables a structured and adaptable benchmarking process that can support integration into tools, certification schemes, and policy development. By clarifying how benchmarks could be defined, applied, and communicated, this contribution aims to foster the broader adoption of LCA benchmarking practices.

Zur Webseite
05.09.2025

Cooling and Heating Load Open-source Estimator (CHLOE)

Vorgestellt und Veröffentlicht auf der CISBAT 2025 - THE BUILT ENVIRONMENT IN TRANSITION in Lausanne, Switzerland, 3-5 September 2025

Abstrakt:
In der frühen Phase der Gebäudeplanung werden Werkzeuge benötigt, die Heiz- und Kühllasten zuverlässig und unkompliziert abschätzen können. Diese Werte sind wichtig für die richtige Dimensionierung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, für Energiebedarfsprognosen und für die Bewertung der Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus. Viele der heute verfügbaren Methoden und Normen sind jedoch sehr komplex und erfordern umfangreiche Eingabedaten, die in der frühen Planung oft noch nicht vorliegen. Um diese Lücke zu schließen, wurde CHLOE entwickelt – ein einfaches, quelloffenes Python-Tool zur Abschätzung von Heiz- und Kühllasten mit nur wenigen Eingaben, speziell für gemäßigte Klimazonen. CHLOE basiert auf bewährten Konzepten aus deutschen Normen, wurde aber gezielt vereinfacht, um bereits in der ersten Entwurfsphase eingesetzt werden zu können. Im Vergleich zu detaillierten Standardverfahren liefert CHLOE in den meisten Fällen Ergebnisse mit einer Abweichung von maximal ±20 % – sowohl bei Wohn- als auch bei Nichtwohngebäuden. Trotz einiger Einschränkungen, etwa bei komplexen Gebäudeformen oder passiven Kühlstrategien, bietet CHLOE eine transparente, leicht zugängliche und ausreichend genaue Lösung für erste Entscheidungen zur Auslegung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen.

Zur Webseite
24.07.2024

LezBAU - Lebenszyklus-Analysen von Gebäuden in den frühen Planungsphasen: Auf dem Weg zum LezBAU-Tool

Die grundlegende LezBAU Methodik wurde als Open Access Artikel im vierteljährlich erscheinende Magazin FIfF-Kommunikation des "Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung" FIfF veröffentlicht.

Abstrakt:
Gebäude spielen für die Klimaneutralität eine Schlüsselrolle, da allein ihr Betrieb gut ein Drittel des Energieaufwands und der dazugehörigen Treibhausgasemissionen in der Bundesrepublik Deutschland verursacht. Bei der Planung von Modernisierungen oder von neuen Gebäuden werden in den frühen Planungsphasen viele richtungweisende Entscheidungen getroffen. Aktuell steht jedoch zur Abschätzung der Lebenszyklusenergie und -emissionen in diesem Planungsstadium kein adäquates Werkzeug zur Verfügung, welches mit einem Minimum an Angaben solide Lebenszyklusabschätzungen bietet und auch von interessierten Laien bedienbar ist. Ziel des aktuellen und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Projekts LezBAU ist es, ein Werkzeug zu entwickeln, das sich mit relativ wenigen Eingaben und niedrigen Einstiegshürden kostenlos nutzen lässt. Zu diesem Zweck arbeiten Wissenschaftler:innen und Architekt:innen eng in der Tool-Entwicklung zusammen. Darüber hinaus trägt ein früher, durchgehender Austausch mit einem Projektbeirat, Stakeholdern und den Beteiligten dazu bei, das zukünftige Tool praxistauglich und bekannt zu machen.

Zur Webseite
01.03.2024

Dynamic ISO Building Simulator (DIBS) - Official Python package

Der Dynamic ISO Building Simulator oder kurz DIBS (https://github.com/IWUGERMANY/DIBS---Dynamic-ISO-Building-Simulator) wurde in Vorbereitung für die Nutzung im LezBAU Projekt parametrisiert und in ein offizielles Python-Paket überführt. Der DIBS ist unter einer MIT open source Lizenz frei verfügbar. Weiter Informationen finden sich hier: https://iwugermany.github.io/dibs/

Zur Webseite